Innenarchitektur wertet Architektur auf – Lampedo Berlin

Gestern ging mir doch seit langem mal wieder mein Innenarchitektin-nen Herzchen auf – gaaanz weit auf – und mein Grinsen wird mir wohl vom Gesicht weg operiert werden müssen – es will einfach nicht weichen!!!

Showroom-Eröffnung in der Chausseestraße 104.

Chausseestraße runterradeln, BND Kräne, Autos, Staub und Lärm … 104, in der Toreinfahrt … graue Brandschutztür T90 (sorry, Fachfrauen-blick!), zweiflügelig, davon nur der rechte Flügel offen … Blick in eine andere Welt … unglaublich!

Die Bühne:
Gehe in einen absolut klischeehaftmäßigen ich-habe-keinen-Bock-mehr-weiter-zu-planen-Lagerraum: Vorderer Raumteil, vielleicht 6 m breit, 10 m lang, 5.50 hoch … dann die Biegung der Tiefgaragen-Abfahrt – ok, kann noch ein Gestaltungsmittel sein (war es aber bestimmt nicht …), darüber der Raum, über eine Treppe zu erreichen, niedrig und etwas breiter als der vordere Raum und somit vom Eingang aus nicht einschätzbar in der wirklichen Dimension. Linke Raumecke schräg – verkleidete Abwasserrohre? Unverkleidete Abwasserleitung-en an der Decke. Deckenrasterleuchten, möglicherweise neu in Reihe gehängt, doppelte Neonröhre sichtbar, Lichtfarben unterschiedlich, schrömmeligst. Und der absolute Oberhammer: Auf der „Empore“, an der Ecke Boden / Außenwand eine schräge Verkleidung in Fassaden-material – vermutlich läuft da die Entwässerung der Einfahrt zur Tiefgarage in den Raum und von dort weiter nach unten. Erinnert ein wenig an Beuys Fettecke in Sandsteinplatte. Schmale Oberlichter an der linken (Außen-)Wand – immerhin auch von innen aus hellem Holz!

Die Szene: 
Die Wände weiß gestrichen. Akzente in grau, z.B. an der schrägen Raumecke. Ein raumhoher Vorhang, blaugrundig mit messingfarbenen Ornamenten, bildet die rechte Raumbegrenzung.

Eine simple, grob zusammengehauene „Treppe“, weiß lackiert, führt vom Hauptraum hoch zur Galerie.

Große Teppiche auf den Böden , der Einfachheit halber: Orientteppiche.

Der Auftritt: 
Möbel überwiegend von Luisa & Ico Parisi. Schränke, Tische, Stühle, Schirmständer und eine Suppenterrine (ein Schaf! Himmlisch!!!). Waren mir völlig unbekannt (… wozu lässt man, das Kind eigentlich studieren …!) – aber sie haben mich sofort fasziniert und komplett umgehauen!!! Die Kombination von Hölzern, Metallen und Glas. Die Formen schlicht bis waghalsig. Allerbeste Schreinerdetails phantasievoll umgesetzt: Verzinkungen, Nuten, Zapfen, Fräsungen, Überplattungen. Gedrechsel-te Beine. Schlösser, die seitlich in der Tür angebracht sind. Griffe aus Metall, gebogen, gedengelt, gestanzt, in Kombination mit Holz gebracht. Beschläge, sichtbar, unsichtbar, auch noch-nie-gesehene vermutlich selbst entworfene. Ein Barfach mit Glasplatten und einer Verspiegelung die wie Pailletten glänzt. Schubladen mit Besteckfach – samtverkleidet in hellviolett. Sessel, Esstisch-Stühle, Arbeitstisch-Stühle, auf den ersten Blick scheinbar bekannt, mit Details und Proportionen die mir in der Kombination neu waren.

Und, und, und … meine Augäpfel konnten nicht still verharren und tanzten nur noch so von Möbelstück zu Möbelstück.

Die Möbel sind aus den 50-ern und 60-ern, gebraucht, das ist zu erkennen und … das ist auch gut so!

Sie werden auch nicht lange in der Kombination stehen bleiben, werden verkauft, es kommen Neue hinzu, es bleibt – hoffentlich laaaaange! – ein lebendiges Wohn-Zimmer …

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